Gaertner´s Krisen-Kristallkugel – Was nach der Misere auf uns wartet

by markusgaertner on 09/10/2012 · 38 comments

2012-10-08_1659

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Die BBC illustriert heute in einem vielsagenden Bericht, was für junge Akademiker in den Sternen steht. Erzählt wird der Berufseinstieg von Jamie Fox. Der 22jährige hat in diesem Sommer an der Bangor University sein Studium in Musik und Englisch abgeschlossen. Jetzt arbeitet er für einen Bauern in Norfolk als lebende Vogelscheuche.

Für umgerechnet 330 Euro in der Woche muss Fox täglich in 8-Stunden-Schichten bei jedem erdenklichen Wetter – mit einem Akkordeon bewaffnet und in ein oranges Kostüm gekleidet – Vögel von einem Rapsfeld verjagen.

Fox soll uns hier – da er ja bereits martialisch degradiert wurde – als Visier bei unserem Blick in die Zeit nach dem Dauerschulden-Debakel dienen. Er soll auch noch den Nebel verscheuchen, der uns derzeit einen klaren Blick in die Zukunft nach der Krise verwehrt. Erste Umrisse sind in der Kristallkugel jedoch erkennbar. Zumindest wenn wir uns aktuelle Zeitungsberichte und Statistiken genauer ansehen.

Zum Beispiel die neue Vision von George Osborne, dem Schatzmeister der britischen Regierung. Der Mann schlug am Montag in einem Anfall rabiater De-Regulierung (die kam ja nach der Finanzkrise zum Leidwesen der Trickle-Down-Philosophen zum Stillstand) einen Barterhandel vor: Angestellte sollen im Tausch gegen Aktien des Unternehmens, bei dem sie angestellt sind, bislang gesetzlich fixierte Arbeitnehmer-Rechte aufgeben.

Eine ganz neue Gattung von Firmen soll dabei herauskommen: Malocher, die als Beteiligte die Klappe halten, keine Rechte einfordern, dafür Dividende kassieren (die sie als Anleger auch so bekommen hätten) und dafür sage und schreibe ein bisschen Steuer für die Kapitalerträge einsparen.

Mit Steuer-Discount zurück ins 18. Jahrhundert. Es leben die Konservativen in Großbritannien. Was kommt als nächstes ? Abtreten unserer Einlagen an die Bank für gebührenfreie Konten ? Verzicht auf Beteiligung an der nächsten Wahl für nachrichtenfreies Busen-Fernsehen ? Erlaubnis zur ungefragten Beteiligung an der Rettung von Südländern, gegen Aufgabe von Volksvermögen ? Stille Duldung der biblischen Geldvermehrung durch die Notenbanken im Gegenzug für ein kollektives Rettungsboot (das am Ende doch sinkt) ?

Vogelscheuchen-Jobs für alle ?

Die Phantasie von angeblichen Volksvertretern scheint vier Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise ohne Grenzen zu sein. Der Einfallsreichtum erstreckt sich aber leider nur auf Gebiete, die uns nicht helfen, sondern – wie in diesem Falle – sichtbar schaden. In diesem Sinne ist es erhellend, dass Osbornes Erguss just am Montag kam, als die Finanzminister der Eurozone dem Startschuss für den Stabilitätsmechanismus beiwohnten.

Oder das hier: Die Washington Post beschreibt heute ausführlich, wie jetzt die Gerichte in den USA das Staffelholz von den Banken übernehmen. Es geht um die Riesen-Aufgabe, das Finanzmarkt-Reformgesetz mit den Namen Dodd-Frank zu torpedieren und bis zur Unkenntlichkeit abzunagen.

Dabei haben sich die Geldhäuser zwar trotz ihres Kreuzzug-Gebahrens noch längst nicht erschöpft. Aber neuer Schwung von einer anderen Flanke in der Schlacht gegen Reformen, die eine Wiederholung der Krise vermeiden sollen, kann ja nicht schaden. Dabei stellt sich laut der Washington Post heraus, dass der Banner-Träger beim Entlastungsangriff der Justiz auf die Vernunft und das Notwendige von Eugene Scalia getragen wird. Das ist der Sohn des Supreme Court-Richters Antonin Scalia.

Währenddessen unterhält uns das Manager Magazin mit einem Erlebnis-Bericht aus der “Giftküche der Flexibilisierung.” Anders kann man es wirklich nicht nennen. Es geht darum, dass die deutschen Hersteller sich mit einem Rezept auf den Abschwung vorbereiten, der in den kommenden Monaten alle mit Wucht treffen wird.

Die Zutaten: “Reihen schließen, Stammbelegschaften halten, maximale Flexibilität in der Arbeitszeit.” – Das Problem ist dabei nur: Die sozial erträglicher – und damit anständiger – verteilte Last beim Abschwung wird trotzdem zum selben Ergebnis führen, das uns das unvermeidliche Ende dieser Dauerkrise zeigt: Weniger kollektiver Verdienst des Erwerbstätigen-Heeres, weniger Kaufkraft, daher erneute Discount-Schlachten und Flexibilisierungs-Kampagnen, bis dem Patienten – den Konsumenten – die Luft ausgeht.

Das Gute ist: Weniger von allem brauchen wir ohnehin, wenn dieser Planet uns noch eine Weile aushalten soll. Aber von allem am Ende nichts mehr, das führt einfach nur zu einem anderen Tod. Die erste Methode erinnert mich an den Galgen, die zweite an eine Steinigung. Beide Methoden – dachte ich – sind in unseren Breitengraden seit langem nicht mehr akzeptiert.

Aber wie schon bei den Arbeitsrechten und Herrn Osborne – wenn sie als brillante Idee verkleidet daherkommen, werden Greueltaten in den Zeitungen sogar gerühmt.

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Petra Bergermann October 9, 2012 at 04:31

Die Sache mit den “Teilhabern” ist schon seit Asterix und Obelix bekannt: dort sind die Piraten auf diese Weise organisiert.

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Markus Gaertner October 9, 2012 at 06:17

.. na dann ist das ja ein erprobtes Modell, und auch aus guter Gesellschaft, ich bin erleichtert. Viele Grüße

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Petra Bergermann October 10, 2012 at 07:15

Die Methoden, wie die Leute eingewickelt und hinter die Fichte geführt werden, sind seit Jahrtausenden gleich.

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Joker October 9, 2012 at 07:52

Ich will Osborne nicht verteidigen – und die “Koalition” hat schon viel vorgeschlagen (Privatisierung der Waelder…) – nur um spaeter genau das Gegenteil zu behaupten. Der Mann steht mit dem Ruecken – nicht zur Wand, sondern zum Abgrund.
Den Briten geht es viel viel schlechter als zugegeben, das Defizit steigt, und die paar Griechen und Spanier, die in London Wohnungen kaufen, koennen daran auch nicht viel aendern. So notwendig und “alternativlos” die Sparmassnahmen sind, die Luft im System ist immer noch gewaltig. Und das heisst – fuer die meisten der 99% wird der Lebensstandard nicht zu halten sein. Punkt. Und weder Osborne noch sonst jemand (auch Deutschland) will das zugeben.
Und selbst der Gewerkschafts Puppie Milliband hat davon gesprochen, dass gespart werden soll…..

Und Osbornes ist nur ein Weg, genau da hinzukommen – nicht mehr, nicht weniger.
Und deswegen, womit wir uns beschaeftigen sollten, wie wir das “weniger” einigermassen gerecht verteilen, ohne gleichzeitig die Anreize voellig durcheinander zubringen.

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O.T. October 9, 2012 at 07:59

Frank Stronach hat das richtig gesagt und bei Magna durchgezogen. Wo in Betrieben Gewerkschaften vertreten sind geht es nur noch um Politik, nicht mehr um das Wohl der Arbeiter – sondern nur noch um Privilegien der Gewerkschaftsbürokraten (Kündigungsverbot, Dienstfreistellung, Bordellbesuche etc.).
Wenn die Arbeitnehmer Anteile an der Firma haben, haben sie auch Mitbestimmungsrecht – und können sich Arbeitnehmerrechte, Lohnerhöhungen bis zum “geht nicht mehr” genehmigen. Keiner kann sie aufhalten!
Halt, der Markt kann das! Böser Markt Du böser Du!

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micdinger October 9, 2012 at 09:05

Na ja, mit 0,1% bis 1% Aktienanteil der Arbeitnehmerschaft werden diese bei der Forderung nach Lohnerhöhungen nicht viel mitbestimmen können.

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O.T. October 9, 2012 at 10:00

Alles Verhandlungssache.
Das deutsche Aktienrecht sieht schon jetzt vor, das 1/3 der Aufsichtsräte von der “Arbeitnehmerseite” gestellt werden. Und das ganz ohne eine einzige Aktie.
Konkret gesagt, die ganzen Bonizahlungen und Monstergagen der Vorstände sind von den “Arbeitnehmern” gewollt.

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Hardy October 9, 2012 at 12:52

“Das deutsche Aktienrecht sieht schon jetzt vor, das 1/3 der Aufsichtsräte von der “Arbeitnehmerseite” gestellt werden”

Nö. Nur ganz bestimmte Unternehmen zwischen 500-2000 AN haben gemäß Drittelbeteilgungsgestz eine solche Regelung.

“Konkret gesagt, die ganzen Bonizahlungen und Monstergagen der Vorstände sind von den “Arbeitnehmern” gewollt.”

Und der Widerspruch zwischen “1/3″ und “gewollt” fällt Dir gar nicht auf?

Du trollst.

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O.T. October 9, 2012 at 14:47

Klar, 1/3 sind weniger als 2/3.
Aber es steht doch jedem frei, seine eigene Firma zu gründen, und dann zu 3/3 zu bestimmen.
Ich verstehe noch immer nicht, was euer Problem ist. Wenn mir der Job nicht gefällt wechsle ich. Wenn ich meine ich bin mehr wert als man mir bezahlt, dann mache ich mich selbstständig!
Das ganze herumgeheule bringt euch doch nicht weiter!
Ich verstehe schon, als kleine Revoluzzer – als sexy bärtige Che Gs. mit der AK47 die Klassenfeinde liquidieren. Aber den Traum solltet ihr in eurem Alter eigentlich ausgeträumt haben, oder?

Hardy October 9, 2012 at 12:49

“Wenn die Arbeitnehmer Anteile an der Firma haben, haben sie auch Mitbestimmungsrecht – und können sich Arbeitnehmerrechte, Lohnerhöhungen bis zum “geht nicht mehr” genehmigen.”

Etwa so, wie die letzten 20 Jahre?

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O.T. October 9, 2012 at 14:37

Ja, ungefähr so – wie bei den (halb)staatlichen Unternehmen die nicht im Wettbewerb stehen. Wo der Chauffeur vom Abteilungsleiter das Gehalt eines Geschäftsführers in der Privatwirtschaft hat, wo die Putzfrau das Gehalt eines Abteilungsleiters in der Privatwirtschaft hat.
Ganz schön anzusehen, z. B. in Griechenland!

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Rainer October 10, 2012 at 21:59

Hallo,

welche (halb)staatlichen Unternehmen sind das? Ich bewerbe mich sofort. Und danke für den Tip. Wenn ich die Stelle bekomme, gebe ich auch nen 1000er ab.

Gruß
Rainer

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Tom October 9, 2012 at 16:18

“Halt, der Markt kann das! Böser Markt Du böser Du!”

Wo haben wir denn einen “Freien ” Markt? Hätten wir einen wirklich FREIEN Markt, wären die Probleme heutzutage wesentlich geringer und die Auswirkungen für den Steuermichel sichtlich freundlicher! Wieviel Steuergeld (selbst das aus der Zukunft) wird denn heute für die “Rettung” von “system-relevanten” Banken und Firmen von der Politik versenkt? Gäbe es wirklich einen freien Markt, wäre GM zum Beispiel längst übern Jordan! Peugot, Opel — weitere Namen aus der gleichen Riege. Mit Namen von Banken will ich gar nicht erst anfangen!

Ihre geringe Kenntnis von Wirtschaft, gesellschaft und deren Mechanismen ist erschreckend! Fall Sie mal Probleme im Job haben, sollten Sie sich unbedingt als “Wirtschaftsweiser” oder Kanzlerkandidat bewerben!

Gruss
Tom

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Marco October 9, 2012 at 18:22

@O.T.
“Wenn die Arbeitnehmer Anteile an der Firma haben, haben sie auch Mitbestimmungsrechte ”
Die Frage ist nur, wann man die wirklich nutzen kann. Ob z. B. die ganzen gutgläubigen Zeichner der Volksaktie “Deutsche Telekom” (zu denen auch die Mitarbeiter gehören) die Globalisierungs- und Expansionspläne der letzten Jahre wirklich unterstützt haben, kann ich mir fast nicht vorstellen. Trotzdem werden die Aktionäre und auch die Mitarbeiter (Verluste werden immer auch so weitergereicht: “Wir machen Verlust, da ist bei den nächsten Tarifverhandlungen nichts drinnen.” ) die Zeche bezahlen.

http://www.wiwo.de/unternehmen/it/geschaeftsjahr-2012-telekom-steuert-auf-milliarden-verlust-zu/7224432.html

Aber halt, die Mitarbeiter haben je immer noch die Möglichkeit, den Arbeitgeber zu wechseln (heutzutage im Normalfall dann als Leiharbeiter oder zumindest mit befristetem Vertrag) oder können als Selbständige ihre eigenen Glasfaserkabeln verbuddeln…

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Joker October 9, 2012 at 08:08

Ach, und eine Frage, Herr Gaertner,

auf Ihrer Seite ist ein Tracker, “slideshare.net”, den ich auch mit ghostery nicht “ausschalten kann? Wo kommt der her? Und wie kriege ich den weg……
Ich habe naemlich ein neues “Spielzeug” fuer Firefox, add on “collusion” (googlen), dass einem zeigt, wer einen alles verfolgt…..

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vlk October 9, 2012 at 13:34

Schon mal mit NO-Script versucht ?

ich seh nichts auf der Seite

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Joker October 10, 2012 at 08:03

Bei mir auch erst nachdem ich geposted habe… zumindest gestern.

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Joker October 10, 2012 at 08:03

Yep, erscheint nach dem post.

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Raus aus Deutschland October 9, 2012 at 15:48

http://en.wikipedia.org/wiki/SlideShare

also ein bisschen googeln…….

Nach der Misere wird es aufwärts gehen ABER vorher gehen “einige drauf”!

Einfach mal nachsehen was bei Armegeddon passiert. Die Joker werden neutralisiert.
Mit anderen Worten, die Schafe werden neutralisiert und die Wöfe in Kanada, Asien etc. bleiben übrig. Hehehe!

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Markus Gaertner October 9, 2012 at 16:04

… klingt nach einem coolen Spielzeug. Das werde ich mir auch mal anschauen, kämpfe gerade gegen eine Flut von SPAMs im Blog. Zu Slideshare: Da fragen Sie einen Kreativen ohne jegliche Software-Kenntnisse. Ich speichere meine Charts bei Slideshare und hole die Infos per embedding in das Blog. Was darum herum passiert, kann ich nicht verstehen. Wenn eine Belästigung für die Leser daraus wird, schalte ich das ab. Müsste mich aber erst umhören. – Viele Grüße

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TSTM October 9, 2012 at 10:17

“Erlaubnis zur ungefragten Beteiligung an der Rettung von Südländern, gegen Aufgabe von Volksvermögen ? Stille Duldung der biblischen Geldvermehrung durch die Notenbanken im Gegenzug für ein kollektives Rettungsboot (das am Ende doch sinkt) ?”

Leser, die TSTM-Kommentare zu dem Thema bereits kennen, verspreche ich hiermit, dass dies mein letzter Kommentar dazu sein wird. Dennoch möchte ich bei dem Trauermarsch zum Grabe unserer Rechte (und unseres Steuergeldes) dann doch noch einmal eine kleine Melodie zum Besten geben.

Was haben wir (Deutschen und weitere 8 EU-Länder) verloren? Geld? Auch. Aber viel schlimmer: Unsere Mündigkeit. Unsere Selbstbestimmungsrechte und noch mehr.

Das BverfG hat den ESMV fast glatt durchgewinkt, sehr zu meiner Überraschung oder vielmehr Entsetzten.

Das die Gouverneure (9 an der Zahl, jeder aus einem der Geberländer; Anmerkung: to govern, engl. f. regieren, herrschen, steuern, verwalten) mit entsprechender Mehrheit Gelder der Geberländer anfordern und sodann nach ihrem eigenen Gutdünken, ohne fortlaufende parlamentarische Kontrolle, verteilen. Dies widerspricht nicht dem Art. 38 GG, so in dem Urteil vom 12.09.2012.

Art. 38GG garantiert dem Deutschen Volke, dass es über das Haushaltsbudget der BRDe die Kontrolle behält. Dass jetzt faktisch nur ein deutscher Gouverneur darüber entscheidet im Namen des Volkes, ja sogar andere, nicht deutsche einfach überstimmen können, sehen die Richter nicht als Kontrollverlust das Deutschen Volkes, weil ja das Volk “mittelbare Kontrolle” inne hat. Warum? Weil es ja schliesslich dem ESMV im Bundestag zugestimmt hat und all den Rechtsfolgen.

Zur stark vereinfachten Erklärung vergleiche ich mal die Budgethohheit mit einem KFZ-Fuhrpark.
Die Autos gehören den Bürgern, deren Eigentum. Nun sollen diese Autos Verwendung finden und gefahren werden. Der Fahrzeuglenker hat diese also in seiner tatsächlichen Sachgewalt (=Bestitz, nicht Eigentum). Nun sagt aber der Fahrer, er möchte 190 Autos verschenken oder zu Schrott fahren. Die Eigentümer stimmen mehrheitlich dagegen und nehmen ihm die Schlüssel ab. Kontrolle.
Aber der Fahrer ist schlauer; er bringt die Autos vom Gelände (welches mit einer 100 m hohen Betonmauer umgeben ist), schließt dieses von außen unüberwindlich ab, und nimmt alle Autoschlüssel an sich: Gute Fahrt dann auch! Kontrollverlust.

Warum haben die Verfassungsväter den Art. 38 in das GG aufgenommen? Was könnte gewollt sein? Ganz einfach, dass sich die Willensbildung über die Verwendung des Deutschen Steuerbudgets täglich ändern kann, und deshalb die Kontrolle über dieses immer gegeben sein muss.
Ja, nächstes Jahr hat D. vielleicht eine neue Regierung. Das Volk hat gesprochen, die Mehrheit der Parlamentarier hat inzwischen erkannt, dass z.B. (Extrembeispiele, um die Brisanz deutlich zu machen) Banken, und Staaten Bilanzen gefälscht haben um in den Genuss der ESM-Gelder zu kommen. Die Regierung hat aber keinen Einfluss mehr auf unkündbaren, zeitlich unbegrenzt wirksamen völkerrechtlichen ESMV.
Dass das BVerfG dies nicht als Verlust der Budgethoheit sieht durch Mittelbarkeit sehe ich als Skandal an (ihr habt ja 2012 mal zugestimmt, also dürft Ihr jetzt im Jahre 2198 nicht meckern, ihr habt ja doch die mittelbare Kontrolle, außerdem muss der Haushaltsausschuß dem handeln Schäubles zustimmen, wenn nicht, auch egal, s. unten). Was sollte man denn sonst als Budgethoheitverlust definieren? Die Summe von 190 mrd. € ist ggf. als volkswirtschaftlich unerheblich zu sehen? Mit Sicherheit nicht. Ein politisches Urteil, m.E. gänzlich sachfremde Erwägungen liegen diesem zugrunde.

So, nun zu unseren Gouverneuren. Dem Vorstand unserer ESM-Finanzinstitution. Nach Art. 35 ESM genießen diese Immunität.

Und was für eine.

Botschafter, Parlamentarier, Minister, Kanzler, Präsidenten sind da blass vor Neid. All denen kann nämlich das nationale Parlament diese entziehen. Den Neunen nicht mehr (da fällt mir auf: Hatte Sauron, der dunkle Herrscher in Tolkiens Roman “Herr der Ringe” nicht auch neun schwarze Reiter? Zufall?). Das können die nur selbst.

Hier das Original:

Artikel 35

Persönliche Immunitäten

(1) Im Interesse des ESM genießen der Vorsitzende des Gouverneursrats, die Mitglieder des Gouverneursrats, die stellvertretenden Mitglieder des Gouverneursrats, die Mitglieder des Direktoriums, die stellvertretenden Mitglieder des Direktoriums sowie der Geschäftsführende Direktor und die anderen Bediensteten des ESM Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich ihrer in amtlicher Eigenschaft vorgenommenen Handlungen und Unverletzlichkeit hinsichtlich ihrer amtlichen Schriftstücke und Unterlagen.

(2) Der Gouverneursrat kann die durch diesen Artikel gewährten Immunitäten des Vorsitzenden des Gouverneursrats, der Mitglieder des Gouverneursrats, der stellvertretenden Mitglieder des Gouverneursrats, der Mitglieder des Direktoriums, der stellvertretenden Mitglieder des Direktoriums sowie des Geschäftsführenden Direktors in dem Maße und zu den Bedingungen, die er bestimmt, aufheben.

(3) Der Geschäftsführende Direktor kann diese Immunität hinsichtlich eines jeden Bediensteten des ESM außer seiner selbst aufheben.

(4) Jedes ESM-Mitglied trifft unverzüglich alle Maßnahmen, die erforderlich sind, um diesen Artikel in seinem eigenen Recht in Kraft zu setzen, und unterrichtet den ESM entsprechend. [...]

Quelle: http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20120912_2bvr139012.html?Suchbegriff=artikel+38 ab Randnummer 70

Und was sagt unser BVerfG dazu (Achtung anschnallen!!!!!!): Unbedenklich, da die Gouverneure i.d.R. ohnehin Immunität besäßen, weil Finanzminister der Geberländer. Die Immunität eines Abgeordneten erlischt mit Ablauf seines Mandats, kann aber schon vorher parlamentarisch entzogen werden. Gilt auch für Minister. Man erinnere sich nur an Copy-Guttenberg, unseren Verteidigungsminister a.D.. Gar nicht so lange her. Überdies hinaus, ist die parlamentarisch Immunität nicht auch zivilrechtlich (Schadensersatzforderungen etc.), die der Neun aber allumfassend: “…des ESM Immunität von der GERICHTSBARKEIT (nicht Strafverfolgung) ” Jeder Gerichtsbarkeit. Das lässt tief blicken, na was haben wir denn so alles vor?
Verfassungsrechtliche Bedenken????? Fehlanzeige, unsere letzte Bastion sieht dies als völlig normal an.
Ein Finanzvorstand der machen darf was er will, ohne unmittelbare Kontrolle durch die Anleger und Aktionäre? Wer würde denn auch nur einen Cent so einer vogelfreien Institution geben? Niemand.

Die Neun stehen aber mit Wissen und Wollen unserer Verfassungshüter außerhalb jeglicher Rechtsordnung. Ich bin mir gar nicht sicher, was hier nun unglaublicher ist. Die Macht der Neun über 700 mrd., viel zu viel Macht für 9 Entscheidungsträger, oder deren gottgleiche Stellung mit Billigung im Namen des Deutschen Volkes?

Wir stellen fest: Budgethoheit über max. 190 mrd. weg, Geld weg, Rechtsmittel des Staates weg, Achtung vorm BVerfG weg. Und wenn`s gut läuft, bin ich in ca. 8 Monaten auch weg.
Die Suppe (190+26,7+995 mrd. über EZB + + + +) werden meine Kinder ich und nicht auslöffeln. Mit Sicherheit nicht. Eher verbrenne ich mein Geld Übersee wenn`s sein muss.

Für alle, die sich`s antun wollen:

http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20120912_2bvr139012.html?Suchbegriff=artikel+38

Von ganz weit weg betrachtet, sieht`s doch so aus: Wir Steuerzahler geben den EU Ländern Geld, was diese dann den Staatsgläubiger Zins-Tilgung geben, während dessen die Finanzinstitutionen ebenfalls gerettet werden müssen, weil systemrelevant. Da wir aber gar nicht so viel Geld haben, leihen wir es uns von genau denen, um sodann wieder über EZB-ESM-bla bla wieder direkt oder indirekt an diese zu geben. Und mit jeder Runde gehen Gehälter, Boni und Renditen ab. Eigentlich irre, wie doof wir, und wie schlau “die” sind.

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Zyniker October 9, 2012 at 11:57

Ca. 1500 € für’s Vögel verscheuchen ist doch super, da bekommen deutsche Jung-Ärtze teilweise weniger.
Und aus Sicht von einem Hartzer, der was besseres als einen 900 € Hiwi-Job sucht, ist das geradezu luxuriös.

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markusgaertner October 9, 2012 at 16:10

… so viel zum Geld. Und die Tätigkeit ? … Viele Grüße

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peterb October 9, 2012 at 16:03

OT
“Wenn mir der Job nicht gefällt wechsle ich. Wenn ich meine ich bin mehr wert als man mir bezahlt, dann mache ich mich selbstständig!”

Ok. Mach dich selbständig und vertroll dich.
Sachliche Kommentare waren in deinem Fall immer vergeudete Zeit.

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Tom October 9, 2012 at 16:10

@O.T.
“Das ganze herumgeheule bringt euch doch nicht weiter!”

Tja, dann bin ich mal echt gespannt, was uns Ihrer Meinung nach weiter bringt! Ihrer sicherlich interessanten Gesellschaftstheorie blicke ich mit Spannung entgegen!

Mal so am Rande: Sämtliche Gestalten die an den sichtbaren Schalthebeln der Wirtschaft und der Politik rumspielen und den Geldsauger betätigen, der die Vermögen von unten nach oben streamt, sind KEINE selbständigen Unternehmer und stehen NICHT in der Haftung für irgendwas. Im Falle der Bankster-Vorstände durften wir in der nahen Vergangenheit sogar des Öfteren erleben, wie diese nach ihrem Versagen mit Millionen abgefunden wurden!

Ihr blödsinniges Gequatsche von “Job wechseln, wenn’s nicht passt” und “Dann macht man sich doch einfach selbständig” ist genauso daneben! Die breite Kunden-Basis ist dem Siechtum ausgeliefert, denen geht die Kohle aus, die auch der Big Player einsammeln muss, um zu überleben. Was meine Sie denn, wie es da den kleineren Mittelständischen Unternehmen geht? Die Automobilkonzerne beantragen im Moment reihenweise Kurzarbeit, weil der Absatz einbricht.Was glauben sie denn, was da bei den Zulieferbetrieben wird? Um zu überleben, setzen die ihre Belegschaft noch ganz anders unter Druck, als es z.B. bei VW möglich ist. Wo wollen Sie denn als Arbeiter, selbst mit hoher Qualifikation denn dann hin? Zu einem anderen Zulieferer? Oder selbst eine Fabrik aufmachen?
Verschonen Sie uns mit diesem schwarz/weiss gemalten Stuss, machen Sie mal die Augen auf !

Die Gesellschaft ist auf Verbrauch programmiert, und wenn der Masse der Verbraucher die Kohle zum Verbrauchen aus geht, wars das mit der Gesellschaft, ihren Regeln und ihrer Struktur! Oder glauben Sie im Ernst, VW und Daimler kann überleben und das notwendige Wachstum generieren, wenn die nur noch S-Klassen und Phaeton herstellen und verkaufen?
Die Gesellschaft kann in dieser Form nicht existieren, in dem sie nur Luxusgüter für die prozentual wenigen Superreicen herstellt und verkauft, deutlich nachvollziebar am messbaren Schrumpfen der sogenannten Mittelschicht! Für nur ganz wenige von denen gehts die Leiter rauf, für die meisten gehts brutal abwärts, für viele, weil als Selbständiger in DLand nicht derartig geschützt wie der Arbeitnehmer, direkt ganz nach unten!

Uns mit einem Massenmörder wie Guevara in eine Ecke stellen zu wollen, finde ich unverschämt.

Gruss
Tom

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Andreas Ludwig October 9, 2012 at 18:56

Warum? Ich finde OT hat völlig Recht…Wenn ich die Bilder sehe von spanischen Demonstrationen, bekomme ich Tränen der Wut in den Augen…da hätte ich manchmal die Ambitionen, meine Kenntnisse der Bundeswehrzeit herauszukramen. Als Scharfschütze war ich da ein echter Überflieger. Da könnte man schon manchmal darüber nachdenken, gewissen Personen in den Hintern zu schiessen. Nur ganz leicht….-))) OT…du könntest eine weisse Nelke in der oberen Tasche tragen, damit ich dich besser erkennen kann.

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Tom October 9, 2012 at 20:30

Dann solltest Du auch Tränen der Wut in die Augen bekommen, wenn Du an die Demonstranten 1989 im Osten denkst. Da gabs Arbeit und damit geregeltes Einkommen wie Sand am Meer, zu Essen gabs genug für jeden, Gesundheitsfürsorge, Kindergärten, kostenlose Bildung für Alle bis zur Promotion, lediglich am sogenannten Luxus, der heutzutage als normal angesehen wird, mangelte es…. Ach ja, und das “bissel Freiheit” gabs auch nicht… Eigentlich die ideale Gesellschaft for O.T., da konnte man die Jobs wechseln wie die Hemden, wenns einen nicht passte.
Nur mit dem Unternehmertum war’s da net so schöööön und einfach ( O.T. glaubt ja offensichtlich, dass es heutzutage einfach ist, ein Unternehmen zu gründen und, was noch viel schwieriger ist, erfolgreich über Jahre/Jahrzehnte zum wachsen zu bringen). Wieviele Unternehmen hat er denn schon gegründet? Wieviele davon existieren noch? Ich hab zwei davon,das eine (in Dland) ist 15 Jahre am Markt, das andere (USA) 12 Jahre! So what? Was will er mir da erzählen? Das ich Kommunist sein will wie Guevara?
O.T. unterliegt wahrscheinlich dem Irrglauben, wir würden uns auf einem freien Markt bewegen und wir hier würden all diesen tapferen reichen Kapitalisten ihren Reichtum neiden. Er verkennt dabei einiges: Der heutzutage generierte Reichtum wird in den meisten Fällen nicht mehr durch Fleiss und Risikobereitschaft erzeugt, noch nicht einmal durch innovative Ideen. Die grössten Gewinne werden heutzutage an den Finanzmärkten “produziert”, und wenns mal schief läuft, sozialisiert man die Gewinne, und der doofe Rest darf bezahlen, incl. der nachfolgenden Generationen, in den USA zum Beispiel unter positiv angenommener Entwicklung für die nächsten 60.000 Jahre!
Reicher Unternehmer sein und seine Mitarbeiter dennoch so zu bezahlen und behandeln, dass sie konsumieren können und noch Lebensfreude statt permanent Druck und Existenzangst zu spüren, schliesst sich doch nicht zwangsläufig gegenseitig aus!
Man muss auch kein Sozi oder Kommunist sein, um seine Arbeiter und Angestellten ordentlich zu behandeln.
Bei der Gier eines Boni-geilen, angestellten Bank-Managers oder Investmentbankers sieht das schon ganz anders aus! Der sieht nur die Zahlen flimmern, wenn der nem Arbeiter ne überteuerte Immobilie aufschwatzt und den Kredit genehmigt und anschliessend in nen CDS packt und an seinesgleichen verhökert! Das sind die Typen, auf die die jetzige Situation zurückzuführen ist und die heute ganz selbstverständlich erwarten, dass der, dem sie die Scheisse angedreht und aufgedrückt haben, auch noch über seine Steuern bezahlt!

Gruss
Tom

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Till October 9, 2012 at 22:50

Der Typus “Schwäbischer Mittelstandsunternehmer”, der hart (aber nicht unmenschlich) arbeitet, ordentliche Arbeit an seine Kunden liefert und seine Mitarbeiter ordentlich bezahlt ist zur Zeit auch gut unter Druck. In vielen Familien wird nach der Erbschaft an ein Private Equity Unternehmen verkauft, und was dann draus wird kann man sich vorstellen.

Und viele verwenden auch schon Zeitarbeiter (Der Unternehmer zahlt 25 Euros, der Arbeiter bekommt 8). Und das halt nicht nur für saisonale Spitzen (ging früher auch mit normalen Zeitverträgen, z.B. Weihnachten im Versand, Sommer-Urlaubsvertretung), sondern permanent.

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TSTM October 10, 2012 at 07:07

Salve Tom, salve O.T.!

Jedem seine Meinung, so auch meine. Ich bin völlig bei Dir Tom, auch ich habe vor 3 Jahren mein zweites Unternehmen gegründet. Es ist wirklich sau schwer die Balance zu finden zwischen allen Zwängen. Von der Selbstversklavung einmal abgesehen. Hier unten in der realen Welt sind Zuwächse per se feiernswert, Gewinne im untersten 2-stelligen Prozentbereich sensationell. Und wenn man diese hat, wird mit aller Umsicht und Sorgfalt eines ordentlich handelnden Kaufmanns reinvestiert.

Nur tanzt der Finanzmarkt auf unseren realwirtschaftslichen Schultern Rumba. Und das nervt zunehmend, wird geradezu unerträglich. Viele halten mich, aufgtrund der Inhalte meiner Kommentare und meiner Ansichten (auch in nicht-Web-Diskussionen) für einen Sozi-Träumer. Alle die mich besser kennen, für einen Kapitalisten mit leichter Tendenz zur sozialen Verantwortung. Aber alles was ich will, ist dass alle GLEICHERMAßEN nach den SELBEN Regeln der FREIEN Marktwirtschaft handeln müssen. Ist das wirklich so utopisch? Leider JA.

Warum? Weil in der virtuellen Lobbyisten-Stratosphäre alle TBTF (To Big…..), ich aber leider nur TSTM (To Small To Matter) bin. Ja, Selbsterkenntnis ist schon wichtig…… .

Ach übrigens: “und wenns mal schief läuft, sozialisiert man die Gewinne,”. Das wäre ja mal was, ich befürchte aber Du meinst Verluste.

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Tom October 10, 2012 at 13:15

Seine Befürchtung trifft zu! :-(

Gruss
Tom

Reply

Andreas Ludwig October 9, 2012 at 19:06

Spass beiseite…man sollte den Menschen ihre Meinung lassen. OT ist halt so…er möchte ja nur mitteilen, das er sich von allem nicht unterkriegen lassen möchte. Das ist doch gut so.Und richtig. Seine Ansichten sind manchmal halt ein bischen quer. Er ist vielleicht noch jung. Er wird es auch noch lernen….JEDER WIRD ES LERNEN…das ist das “Gute” an so einer Krise….und Demut zeigen…gaaaaanz wichtig…
Danke Tom für den Ford Link…aber Preise gibt es nur auf Anfrage bei denen..oder habe ich das nicht gepeilt? Ihr da drüben habt schon eine komische Art Ware anzubieten.-))
Deswegen geht auch nix bei euch…
Gruss Andi

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Tom October 9, 2012 at 20:51

?????????????????????????? Wenn Du auf der linken Seite im Menür den Mustang anclickst, kommen die Autos, die die da haben inclusive der Preise dazu. Der V6 fängt da bei ca.$ 21.000 an….

Gruss
Tom

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Andreas Ludwig October 9, 2012 at 19:26

Dat einzigste was mich ein bischen beleidigt hat von OT war, das wir diese Träume in unserem Alter nicht mehr haben sollten…
Ich weiss zwar nicht wat der Markus für Träume hat, da wir aber gleich alt sind, denke ich das der fast die gleichen Träume hat wie ich. Schöne Frauen in Strapse, schöne Autos….vielleicht auch die Träume von einer besseren Welt.Die gerechter ist. Besser aufgeteilt…Wo es sich lohnt für zu kämpfen. Und kämpfen sollte man dafür immer. Wenn wir aufhören dafür zu kämpfen, sind wir verloren. Deswegen ist es überhaupt keine Sache die der Jugend vorbehalten sein sollte…Egal wie alt man ist, sollte man dafür kämpfen. Und da meine Augen immer besser geworden sind und meine Kurzsichtigkeit zugenommen hat -)), wäre ich prädistiniert schön in der Ecke zu warten, bis so ein kapitaler junger,dynamischer Hirsch 6 mal im Galopp an mir vorbei zieht und mich nicht sieht. Einmal Luft anhalten, die Bewegung erahnen und paff isser wech…-)) dat geht noch janz juut OT mit 51…da muss ich nich hinter dem her renne wien gestörter…

Reply

Andreas Ludwig October 10, 2012 at 00:00

@Tom
Wenn du mal überlegst. Die wollen bei uns für den Mustang weit über 40.000…
Ach übrigens. Die Unternehmen die ihre Belegschaft ordentlich bezahlen wollen, können sich das unter dem Wettbewerbsdruck nicht mehr leisten. Und die anderen sourcen sie aus in die Zeitarbeit und heuern die so wieder an. Jeder weiss das es in die Hose geht. Aber jeder spielt das Spiel mit. Weil er muss oder sonst unter geht. Die Stelle wechseln? Halte ich im Moment für fast unmöglich. Jeder ist froh wenn er einen Job hat. Ein Freund von mir ist seit Jahren selbständig als Dipl. Ing. Maschinenbau. Er lässt sich seit Jahren über eine Agentur vermitteln. Für einen gewissen Zeitraum und Projekte. Im Moment hat er es echt schwer. Ich bin froh, das ich mich nicht mehr um meine 100 Leute kümmern muss. Das bedeutet nur noch schlaflose Nächte im verarbeitendem Gewerbe wenn du sie hast. Ich höre von meinen ganzen Freunden in den unterschiedlichsten Gewerben nur negativ. Jeder hampelt rum. Und am besten du hast keine Kredite im Moment. Die Banken machen dich kaputt.Gruss

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Tom October 10, 2012 at 00:57

Andie, ich weiss, dass das heutzutage nicht mehr so ist!

Aber WARUM ist das so? Wo kommt denn dieser Wettbewerbsdruck her? Weil die Gier über die Moral gesiegt hat! Und dies fing an, als Unternehmen nur noch angestellte Manager hatten, denen Share Holder Value wichtiger war als die Moral! Es fing an, als die “Globalisierung” “eingesetzt” hat und man sich für Handelsbilanzen und Target2-Salden nicht mehr interessiert hat!

Dann fingen sie an, mit ihren Unternehmen nur noch um die Welt zu reisen. Von Westdeutschland nach Ostdeutschland, dann nach Polen, anschliessend Rumänien, bis nach China… immer auf der Suche nach noch billigeren Arbeitskräften! Zwischendurch noch schnell Fördermittel (vom Steuerzahler= Kunde=Konsument) abgegriffen!

Hab das an anderer Stelle schon mal gesagt: Bin gespannt, wann die im afrikanischen Busch landen, weil man dort noch Leute für 50 Cent/Tag findet! Nur: Was glauben die Herren denn eigentlich, wie lange die Leute daheim dann noch in der Lage sind, deren Scheiss zu konsumieren??? Dann hat’s geschissen mit Profit! Da hats dann nicht mal mehr Umsatz! Die Zeiten, wo sich die Kohle zum konsumieren über den Immo-Kredit beschaffen liess (genau auf die Art hat die Ami-Wirtschaft bis 2007 nämlich “funktioniert” sind lange rum!

Das angebissene Obst verdient an einem Ei-Phone um die $ 400, deren Bankkonten quellen über vor Cash! So what? Hätten es da $ 200 pro Gerät an Profit nicht auch getan und die Dinger würden im Heimatland zusammengeschraubt? Die Apple-Bosse besitzen schon jetzt mehr Geld, als sie jemals in diesem Leben ausgeben können! Muss es denn noch mehr sein? Nicht, dass ich denen den Reichtum nicht gönnen würde! Das ist mir reichlich egal! Was mir aber nicht egal ist, dass die angesichts der Situation dennoch erwarten, dass sie alle ihre Eier-Produkte weiter zu Hause verhökern können!

Abhilfe könnte hier lediglich ein Welthandel mit ausgeglichenen Handelsbilanzen schaffen! Dies erreicht man z.B. mit Strafzöllen! Aber daran wagt die korrupte Politmischpoke gar nicht zu denken!

Wenn die nix tun, werden auch die “Grossen” früher oder später in die Knie gehen, weil am Ende das wichtigste Element der Konsumgesellschaft nicht mehr kann: der Konsument!

Und die Politik weiss das! Wieso sonst kommen die denn daher mit “EU-Superstaat” und Persil-Schein für die Verwalter des ESM? Wieso sonst grübeln die nach über immer engmaschigere Überwachung? Wieso sonst kann plötzlich die Bundeswehr im inneren eingesetzt werden und wieso sonst werden Truppen wie die GENDFOR aufgebaut?

Was wäre denn, wenn die Target2-Salden nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag aufaddiert werden würden? Da sässe Deutschland auf ner Riesensumme “uneinbringlicher Forderungen”, für die am Ende wieder der gebeutelte Steuerzahler aufzukommen hat! Und wofür? Letztendlich für die Profite der Konzerne!

Vernunft wird erst dann einkehren, wenn es so richtig gekracht hat!

Gruss
Tom

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vlk October 10, 2012 at 07:01

Und krachen wird es — egal wieviel Geld sie drucken…

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Andreas Ludwig October 10, 2012 at 06:49

@Tom
Alles was du sagst ist absolut richtig. Aber es hat schon Anfang der 80er angefangen. Die Textilindustrie in Wuppertal ist da schon ausgewichen. Es sind da schon Betriebe nach Portugal ausgewichen. Autozulieferer Happich. Wenn auf einer deutschen Uni der Professor Bwl und vwl lehrt, dann geht er in den einen Hörsaal und predigt runter mit den Kosten, Roboter Personal raus. Geht er in den anderen, erzählt er, das eine Volkswirtschaft gute Arbeitsplätze und Vollbeschäftigung braucht. So what.
Das kommt davon, wenn eine Nuss eine Nuss ausbildet. Da fängt es an. Und die kommen von der Uni und rennen los wie Roboter das gelernte umzusetzen. Wir haben alle Schuhe an den Füssen. Aber einen ausgebildeten Schuster wirst du in Deutschland nicht mehr finden. Da klemptnert nur noch der Laie rum. Eine Motorradjacke einen Reissverschluss erneuern? Die muss in die Ukraine von Dainese. Der Karren ist so im Dreck, das wir nur noch da raus kommen, wenn die Lage in den Ländern instabil wird wo wir produzieren lassen. Warum die Gier so gross ist? Weil die Aktionäre heute mehr zu sagen haben wie früher. Wir werden alle so dermassen in die Grube fahren, das erst durch einen Aufstand etwas bewegt wird. Wirklich? Gruss

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