Muffensausen in Australien und Kanada – Chinas Trittbrett wird morsch

by markusgaertner on 11/10/2012 · 15 comments

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Als Chinas Wirtschaft noch mit zweistelligen Raten wuchs – 2010 um 10,4% – machten es sich ganze Handelsnationen auf dem großen Trittbrett der globalen Wachstums-Lokomotive bequem. Asiatische Nachbarländer klinkten sich in die Lieferketten der chinesischen Exportwirtschaft ein.

Sie produzierten Komponenten für Autos, Laufwerke für Computer oder Tastaturen für iPads zur Endmontage im Reich der Mitte. Damit profitierten sie indirekt von eskalierenden Absatzerfolgen der Chinesen in Europa und den USA, aber auch auf dem rasant wachsenden heimischen Markt im Reich der Mitte. Die deutsche Wirtschaft steigerte ihre Exporte in die BRIC-Staaten bis 2010 auf 100 Milliarden Euro, der Löwenanteil der Waren ging nach China.

Der Autoboom in der Volksrepublik beflügelte Phantasien und Bilanzen – nicht nur bei deutschen Autobauern. Rohstoffländer wie Australien und Kanada konnten derweil dank des Immobilienbooms und dank des rapiden Ausbaus von Straßen, Schienen und Kraftwerken in China fabelhaft verdienen.

Seit 1991 explodierte der Außenhandel zwischen Australien und China auf das 33fache. Australiens Ausfuhren – angetrieben von immensen Eisenerz- und Kohlelieferungen nach China – erreichten 2011 den höchsten Stand in 140 Jahren. Die Arbeitslosigkeit halbierte sich fast auf 5%. Anfang der 90er Jahre erlebte der fünfte Kontinent seine vorerst letzte Rezession.

Das war, als Boris Yeltsin in Moskau auf einen Panzer kletterte und die Ära von US-Präsident Bill Clinton in den USA noch gar nicht begonnen hatte. Doch jetzt verliert Chinas Konjunktur kräftig Dampf. Das globale Trittbrett der aufstrebenden Wirtschafts-Supermacht beginnt morsch zu werden. Und in Melbourne und Sydney läuten die Alarmglocken.

„Wenn China eine harte Landung erlebt, ist Australien so stark betroffen wie kein anderes Land auf der Welt“, erklärt Saul Eslake, Chefökonom der Bank of America in Melbourne. Kein Wunder: China kauft 28% der australischen Ausfuhren. Zwischen Sydney, Perth und Darwin sind 270 Milliarden Dollar in Bergbauprojekten gebunden, um den hungrigen chinesischen Drachen zu füttern.

Die laufenden Investitionen des australischen Minensektors entsprechen 9% des BIP. Das Land wird allein für seine Eisenerz-Lieferungen nach China im laufenden Jahr 65 Milliarden Dollar einnehmen. Doch jetzt hat sich der Wind kräftig gedreht.

Mehr dazu in meinem heutigen Bericht im Manager Magazin

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