Rettung aus dem All – Hey Bruce Willis, wir haben einen Job für Dich

by markusgaertner on 11/10/2012 · 52 comments

2012-10-11_1016

Share

OK, wir haben die Lösung. Ihr könnt die Krise abblasen. Schulden-Debakel beendet. Astronomen haben 41 Lichtjahre von unserer Erde entfernt den Planeten “55 Cancri e” entdeckt, eine superheiße Kugel, die mit der achtfachen Masse der Erde in jeweils 18 Stunden einmal um ihre Sonne rast.

Dieser Planeten-Ferrari saust noch innerhalb der Milchstraße herum, dürfte also demnächst erreichbar sein, wenn die Notenbanken uns ständig mehr Geld für große Abenteuer zur Verfügung stellen.

Wer den Mars ferngesteuert erkundet und 12 Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxien sichtbar machen kann, der wird wohl irgendwann diesen kosmischen Kluncker für uns alle nutzbar machen können. In Hollywood gibt´s ja einen, der schon auf fliegende Kometen aufgesprungen ist. Das würde sich in diesem Fall wirklich rentieren.

Der 55 Cancri e ist nämlich zu mindestens einem Drittel ein Diamant. Den brauchen wir also nur einzufangen. Dann können wir die Fed und die EZB schließen, alle Gläubiger ausbezahlen, und dann ganz schnell in Deckung gehen, weil erst dann die von vielen erwartete Geld- und Inflations-Tsunami losrollen wird.

Unsere Schulden-Probleme werden jedoch gelöst sein. Die Tagesschau kann sich wieder langweiligeren Dingen zuwenden. Zum Beispiel explodierende Preise für Schokolade, 1.500 (gerettete) Euro je Tafel. Und dieses Blog kann endlich erfreuliche Dinge berichten. Doch danach sieht es auf absehbare Zeit leider nicht aus. – Das entnehme ich auch heute wieder zahlreichen Nachrichten-Quellen.

Dem Spiegel zum Beispiel. Der berichtet von einem Besuch bei Rainer Häusler, dem Stadtkämmerer von Leverkusen. Seit 16 Jahren macht der Mann das. Da kann ich ja mit drei Jahren Blog noch froh sein. Häusler wird laut dem Bericht in einem Jahr in Pension gehen. Und so wie es aussieht, wird ihm die Freude vorenthalten, wenigstens einmal in seinem Kämmerer-Leben einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können.

Häusler hat ein Buch geschrieben, hat sich seinen Frust von der Seele getippt, wie wir in dem Spiegel-Bericht lesen können, ansonsten wird er von wachsenden Schulden erdrückt …

Leider kann man dem Mann kaum Hoffnung machen. Denn die deutsche Dümpel-Konjunktur – 0,5% und 0,3% BIP-Zuwachs in den beiden ersten Quartalen 2012 – macht keine Anzeichen, in die Gänge zu kommen. Im Gegenteil: Die führenden Wirtschaftsforscher warnten uns an diesem Donnerstag, es bestehe “große Gefahr”, dass Deutschland eine Rezession erleben wird.

Die Institute halbierten ihre BIP-Prognose für 2013. Dass sich also bald jemand finden wird, der auch die Schulden halbieren kann, können wir ausschließen. Dieser jemand müsste fast so viel Dusel haben wie die Sterngucker, die für uns 55Cancri e aufgetrieben haben. Und selbst der hält ja Distanz zu uns.

Währenddessen breitet der Business Insider, basierend auf Citigroup-Zahlen ein Szenario aus, in dem für Spanien alles schiefgeht. Dieser Worst Case sieht für 2013 eine vier mal so schlimme Rezession vorher, wie die Regierung in Madrid. Die muss sich ja mit den Separatisten in Katalonien herumschlagen. Vielleicht ist da ein flüchtiger Rechenfehler unterlaufen. Das passiert selbst amerikanischen Regierungs-Statistikern, wenn man dem früheren Chef von General Electric, Jack Welch, lauscht.

Aber halt: Es geschehen wirklich wundersame Dinge bei der Aufbereitung amerikanischer Konjunkturzahlen, nicht nur laut Jack Welch, der übrigens widerlegt scheint. An diesem Donnerstag berichtete das Arbeitsministerium in Washington einen Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die vergangene Woche um 30.000 auf nur noch 339.000.

So wenige solcher Anträge hat es zuletzt im Februar 2008 gegeben. Und jetzt kommt der Clou: Ein Bundesstaat, den zunächst keiner nennen wollte, hat die starke Abweichung von den zuvor geschätzten 370.000 ganz allein verursacht, mit einem Zahlensalat, den ebenfalls niemand für uns aufdröseln will. Vielleicht kann ja Mitt Romney in der nächsten TV-Debatte Barack Obama direkt danach fragen …

Derweil ruft der geschätzte Andy Xie in Shanghai das Ende der goldenen Ära des Welthandels aus. Zwei Jahrzehnte lang sei der globale Güteraustausch doppelt so schnell gewachsen wie das weltweite BIP, während Chinas Außenhandel sogar zwei Mal schneller wuchs als der Welthandel selbst. Doch dieser Nachbrenner im Nachbrenner macht jetzt ziemlich schlapp. Xie will uns leider auch keine Hoffnung machen.

Im Gegenteil. Er fürchtet, dass der bereits grassierende Protektionismus noch zusätzlich eskaliert:

“Things may go back to normal after the U.S. presidential election next month. I suspect otherwise. Weak economic growth may play a bigger role than election politics in increasing trade barriers. Unless the global economy returns to a high growth rate soon, protectionism may escalate sufficiently to permanently cap economic growth, creating a vicious cycle of rising protectionism and weak economic growth.”

Mit seiner pessimistischen Einschätzung scheint Xie nicht allein zu sein, wie die jüngste Umfrage von Reuters zeigt. Die von der Nachrichtenagentur konsultierten Ökonomen sind noch etwas pessimistischer als der IWF und die Weltbank, wenn es um das weltweite Wachstum im Jahr 2013 geht.

Share

{ 52 comments… read them below or add one }

Leave a Comment

*

Previous post:

Next post: