Schizophrene Wall Street: Romney der Retter, oder Romney der Bernanke-Bändiger ?

by markusgaertner on 15/10/2012 · 10 comments

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Die jüngste Warnung an die Adresse der Wall Street hat einen politischen Hintergrund. Sollte der Herausforderer Mitt Romney am 6. November die Präsidentenwahl gegen Amtsinhaber Barack Obama gewinnen, droht ein Kursrutsch in New York. Das sagt der Anleihe-Researcher Dominic Konstam bei der Deutsche Bank vorher.

Der Grund für diese Prognose: Romney hat mehrfach US-Notenbankchef Ben Bernanke gewarnt, das Rad mit seiner ultra-lockeren Geldpolitik nicht zu überdrehen. Romney hat auch zu Protokoll gegeben, das er die dritte Runde der Geldvermehrung, die die Fed vor einem Monat startete, für keine gute Idee hält.

Wahl in USA – Bremst ein Präsident Romney die Fed aus ?

Zwar steht Romney für niedrigere Zinsen, weniger Regulierung und insgesamt wirtschaftsfreundlichere Politik, was der Wall Street zusagt. Doch seine Einstellung zur Geldpolitik der Fed lässt die Börsianer an der Haltbarkeit der geldpolitischen Versprechen für rekordniedrige Zinsen zweifeln.

Die Aussicht, dass sich aus der Staumauer der Fed keine neuen Fluten mehr über die Finanzmärkte ergießen, ist für Anleger und Investoren ein Albtraum. “Der Markt hat sich in ein falsches Verständnis von Sicherheit wiegen lassen”, erklärt Konstam, “wenn Romney gewinnt, wird der Markt das Schlimmste annehmen, der Wohlfühl-Faktor, den Bernanke schuf, könnte leiden.” (siehe heutige GRAFIK)

Den führenden Aktien-Indizes war diese Angst gestern aber noch nicht anzusehen. Der DOW konnte 0,7% zulegen. Der Nasdaq 100 verzeichnete ein Plus von 0,6%. Der S&P 500 registrierte mit einem Zuwachs von 0,8% den größten Zuwachs in zwei Wochen. Damit wurde nach der negativen Kursbilanz der Vorwoche ein Rebound gestartet.

Wichtigster Grund für die positive Stimmung am Aktienmarkt war gestern der Einzelhandel. Dessen Umsatz legte im September in den USA um 1,1% zu. Weil der private Konsum in den USA 70% zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert, macht das vielen Anlegern Hoffnung.

Doch die ist löchrig.

Die Zweigstelle der US-Notenbank in New York legte erneut einen schwachen Bericht vor. Die Aktivität des Verarbeitenden Gewerbes in dem Bezirk schrumpfte im September zum dritten Mal in Folge. Die Citigroup konnte gestern die Strähne der US-Großbanken vom Freitag fortsetzen. Ihr Nettogewinn von 468 Mill. Dollar im dritten Quartal lag über den Erwartungen der Analysten.

Die Aktie der Citigroup sprang darauf hin um 5,5% in die Höhe. Wie stark die Zweifel sind, die der Bericht der New York-Fed streut, das sah man gestern an den Rohstoff-Werten.

Mehr dazu in meiner täglichen Vorschau für die Wall Street bei    G E V E S T O R …

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Casi October 16, 2012 at 05:57

Alle krank. Während Menschen in den USA verhungern machen sich die “Eliten” darüber gedanken, wie man den real absolut unnützen und kontraproduktiven Finanz”markt” mit neuen Geldschwemmen noch mehr aufblasen kann, um noch mehr virtuelle Reichtümer anzuhäufen. Ein einziges riesiges Monopoly der Zahlenfetischisten…. das wird noch bitter enden so bald die Realität mit Schwung zurückkommt.

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Marco October 16, 2012 at 06:53

“Monoploy der Zahlenfetischisten”: Ja, genau so ist es. Alles wird immer virtueller. Jeder vergleicht nur noch eine Zahl mit einer anderen Zahl. Der eine interpretiert das rein und wieder ein anderer etwas anderes. Das Leben ist aber nicht virtuell und wird es auch nie sein. Jeder Mensch braucht Luft, Wasser und Nahrung um zu leben. Dazu dann noch Liebe und Freundschaft.

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

oder von mir leicht abgewandelt:

“Erst wenn der letzte Mensche verlernt hat, sich mit seiner Hände Arbeit selbst zu versorgen, wenn der letzte Mensch aufgehört hat, selbständig zu denken und zu handeln, und wenn auch der letzte Mensch dazu bereit ist, sein letztes bisschen selbst bestimmte Zeit für ein paar Zahlen auf einem Computerbildschirm aufzugeben, dann werdet ihr merken, dass man euch um euer Leben betrogen hat.”

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Joker October 16, 2012 at 08:14

Wir brauchen nicht bis zum letzten Menschen zu warten…..

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HaPennyBacon October 16, 2012 at 09:35

“Erst wenn der letzte Mensch verlernt hat, sich mit seiner Hände Arbeit selbst zu versorgen,………….”
Ich hatte am Wochenende ein Gespräch mit einem langjährigen Freund. Der arbeitete bis vor kurzem noch auf der P+S Werft. Dieser Laden ist Insolvent und soll verkauft werden. So weit so gut, das passiert immer mal wieder. Die Firma ging aber nicht Pleite wegen fehlender Aufträge sondern schlicht am Unvermögen von Management UND den Mitarbeitern. Die haben es schlicht verlernt Schiffe zu bauen. Das Management war noch so dilettantisch und versuchte wegen dem Zeitdruck auf Leiharbeiter zu setzen. Die Aufträge wurden damit sang- und klanglos vergeigt.
Das ist das Resultat von über 20 Jahren Niedriglohnverarsche für die Arbeiter. Die fähigen haben ihre Sachen gepackt und sind schon lange getürmt, der Rest ist zu fast nichts mehr zu gebrauchen. Das wird den Griechen auch blühen wenn deren heutige Jugend in 20 Jahren plötzlich das wirtschaftliche Ruder in die Hand nehmen muss.

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Thomas71 October 16, 2012 at 11:04

@Marco,
das Ende hat ein bißchen was vom Film “Surrogates”.

@All
Wir sollten uns keinen Illusionen hingeben. Die werden das schlimmstmögliche für die breite Masse erreichen, und zwar mit sehr vielen kleinen Maßnahmen. Die Frage ist nur, ob wir im Chaos oder bei Orwell 1984 landen.

Gruß,
Thomas71

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Marco October 16, 2012 at 12:39

@Thomas71

Als im Film zum Schluss die ganzen Surrogates nicht mehr funktionierten, sind die Menschen auf einen Schlag wieder in das reelle Leben zurück gekehrt. Wie würde das wohl aussehen, wenn ALLE Server dieser Welt auf einen Schlag ihren Geist aufgeben würden? In welcher Welt würden wir erwachen?

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Thomas71 October 16, 2012 at 13:08

Hallo Marco,

ein paar Tage wären hinzubekommen, aber nach einer Woche würde das Chaos ausbrechen.
Geschäfte würden geplündert, Menschen überfallen, Firmen und Geschäftshäuser geplündert und verwüstet, die Lebenmittel würden knapp werden, Wassermangel wäre wahrscheinlich ein Riesenproblem, kaum eine Heizung würde funktionieren (Strom fehlt), Menschenrevolten, Straßengangs entstehen, usw.

Gruß,
Thomas71

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Marco October 16, 2012 at 16:25

Hallo Thomas,

d. h. der Unterschied zwischen der “ersten” und der “dritten” Welt sind ein paar Platinen.
Und wenn diese Platinen den Geist aufgeben würden, dann würde die erste und die dritte Welt den Platz wechseln:
Die Pygmäen im tiefsten Kongo würden von der ganzen Geschichte – im Gegensatz zu uns – gar nichts mitbekommen und so weiterleben wie bisher. Ihre Heizquellen würden weiter funktionieren, ihr Wasser aus dem Brunnen weiterhin fließen.
Gruß
Marco

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dank October 16, 2012 at 19:06

Ein Leben ohne Server –> ohne Strom:
Schön dargestellt – http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=29474

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