“Renaissance oder Ruin” – Gespräch mit Gerald Celente über unsere Dauerkrise und die Zukunft

by markusgaertner on 17/10/2012 · 17 comments

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Gerald Celente ist Amerikas führender Trendforscher. Er hat die Ära des Gourmet-Kaffees ebenso vorhergesagt wie die Finanzkrise 2008. Im Interview mit manager magazin online sagt er der Welt neue Kriege voraus – und die nächste Finanzpanik schon für 2013.

mm: In drei Wochen, am 6. November, wählt Amerika seinen nächsten Präsidenten. Welchen Unterschied macht es, ob der Amtsinhaber Barack Obama gewinnt, oder sein Herausforderer Mitt Romney?

Celente: Der einzige Unterschied, fürchte ich, wird darin bestehen, wer das Land langsamer ruiniert. Die Programme der beiden unterscheiden sich nicht wirklich. Wir haben in den USA ein zweiköpfiges Ein-Partei-System. In der Außenpolitik gibt es auch keinen Unterschied. Außer vielleicht, dass Romney noch mehr Bomben auf den Iran werfen würde.

Schauen Sie sich die Bilanz von Obama an: Nicht ein Verantwortlicher an der Wall Street wurde für die Finanzkrise bestraft. Nicht einmal MF-Global-Chef Jon Corzine haben sie sich geschnappt. Der ist nämlich ein Demokrat wie Obama und hat Hunderttausende für die Kampagne des Präsidenten gespendet. Jetzt streiten beide über die Steuern.

mm: Was ist mit Jobs?

Celente: Weder Obama noch Romney hat ein überzeugendes Programm für neue Jobs präsentiert. Wir brauchen hier gut bezahlte Arbeitsplätze. Aber wir haben kein Ausbildungssystem wie Deutschland, wo richtige handwerkliche Fertigkeiten unterrichtet werden, mit denen Menschen Jobs finden, die sie gut ernähren.

mm: In den vergangenen Tagen kamen vereinzelt Zeichen für eine Stabilisierung der US-Konjunktur. Die Arbeitslosenrate sank zuletzt auf 7,8 Prozent. Kritiker halten die Zahl jedoch für manipuliert. Was denken Sie?

Celente: Ich weiß es nicht. Aber warum sollte ich der Regierung etwas glauben? Die haben uns ständig angelogen, schon im Vietnamkrieg und beim Überfall auf den Irak. Aber schauen wir uns einfach die Zahlen an. Im September wurden 114.000 neue Jobs geschaffen. Wir brauchen jedoch allein 150.000, um das Wachstum der Bevölkerung aufzufangen.

Seit der Großen Rezession haben wir 24 Millionen Arbeitsplätze verloren. Doch 53 Prozent der Jobs, die seitdem geschaffen wurden, sind Bedienungen in Restaurants, Bartender und Pflegehilfen. Die verdienen keine Löhne, die eine Familie ernähren. Im Verarbeitenden Gewerbe haben wir im jüngsten Monat 14.000 Jobs verloren. Und seit dem März gingen dort fast 800.000 Vollzeit-Jobs verloren. Also selbst wenn die Zahlen nicht manipuliert waren, sind sie ein Desaster.

mm: Was ist derzeit das größte Risiko für die US-Konjunktur? Drastische Haushaltseinsparungen in 2013, ein Crash am Anleihenmarkt, steigende Zinsen, oder die Dezimierung der Mittelschicht?

Celente: Ich erwarte nicht, dass die Zinsen steigen. Europa und die USA können sich das nicht leisten. Die müssen noch mehr Geld in das System pumpen. Schauen Sie sich die Gewinnbilanzen an. Die Banken verdienen nun prächtig an der Refinanzierung von Hypotheken. Und von ihren Zinsvorteilen geben sie nichts an die Kunden weiter. Müssen sie auch nicht, sie haben ja die Macht an sich gerissen.

mm: Das aber nicht nur in den USA, oder?

Celente: Auch in Europa. Schauen Sie sich den Bundestag an. Der hat seine Souveränität verloren. Die wurde dem Parlament entrissen und nach Brüssel weiter gereicht. Und so geht es derzeit jedem Land in der Euro-Zone. Brüssel und die Europäische Zentralbank ziehen immer mehr Macht an sich.

Das komplette Interview finden Sie auf der Webseite des manager magazin Online ….

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