Nirgends auf dem Radarschirm – Das Trio Fatale der Weltwirtschaft

by markusgaertner on 04/12/2012 · 1 comment

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Japan, Kanada und Frankreich gehören weit oben auf den Monitor. Aber was macht unsere clevere Analystenschar ? Alle stieren auf die USA, China und Deutschland. Das sind die Dinosaurier. Daher verdienen sie viel Aufmerksamkeit. Keine Frage. Aber keine dieser Volkswirtschaften kann allein die Weltwirtschaft durchschleppen. Diese Zugvögel der globalen Wirtschaft brauchen den Support ihres jeweiligen Schwarms.

Und da sieht es in Europa genauso schlecht aus wie in Asien und Nordamerika, was die jeweils nächstgrößeren Wirtschaftszentren angeht. Die versteckten Probleme lauern vor allem in der zweiten Reihe, in allen drei Kontinenten.

Das Beispiel Japan haben wir hier im Blog schon in der vergangenen Woche analysiert.

Das Beispiel Frankreich: Der Markit-Index für die französische Industrie ist mit 44,5 im November nun der schwächste in der Eurozone nach Griechenland. Frankreich segelt schon eine Weile hart am (Gegen-)Wind. Dem Land gehen auf wichtigen Märkten zunehmend Marktanteile verloren. Berlin hat einen Stresstest verlangt. Die jüngsten Zahlen aus Frankreich sind schocking.

Der französische Automobilverband meldet das schlechteste Jahr seit 1997. Volumenmäßig sogar das schlechteste in einem halben Jahrhundert. Paris zieht die Austeritäts-Bremse an, indem es das Budget-Defizit um 2% verringert, um die Defizit-Ziele der EU zu erfüllen.

Im November brachen die Verkäufe französischer Autos um 28% ein. Citroen Minus 26%, Renault Minus 33%. Ausländische Marken haben “lediglich” 7,9% eingebüßt. Die Wirtschaft dümpelt seit eineinhalb Jahren an der Null-Linie entlang, konnte aber eine Rezession gerade so vermeiden. Die Autobranche beschäftigt noch 400.000 Menschen. Das kann sich jetzt schnell ändern.

Derzeit gehen pro Monat 40.000 Jobs verloren. Die Arbeitslosigkeit ist auf einen Rekordwert bei 10,7% gestiegen.

Das Beispiel Kanada. Wird gerade gerühmt, weil Notenbankchef Mark Carney auf den Chefsessel der Bank of England befördert wurde. Weil er das Bankensystem zusammen gehalten hat und das Finanzsystem des G7-Landes so stabilisieren konnte. So zumindest lautet die offizielle – und die unkritische der Medien – Version. Tatsache ist: Die Kanadier haben es mit ihrem Immobilien-Markt, in dem immens riskante Kredite stecken, clever angestellt.

Weil ab einer Fremdfinanzierung von 80% der staatliche Kredit-Garantierer CMHC eingeschaltet wurde, hat Kanada einen guten Teil des Risikos aus der Immobilien-Verschuldung gleich dorthin gebucht, wo er in den USA nach Ausbruch der Krise hin transferiert wurde: Auf das Konto der Steuerzahler.

Aufgelaufen sind jetzt aber private Schulden im Land, die pro Kopf den höchsten der OECD entsprechen. Sie liegen als Prozentsatz des BIP jetzt über dem Wert, bei dem der US-Markt schlagartig in die Knie ging. Und das bei hohen Immobilienpreisen und rekordniedrigen Zinsen, dazu bei Arbeitslosigkeit, die noch ansteigen dürfte, wenn die USA über das Fiskal-Kliff plumpsen.

Die zweite Reihe ist bedenklich morsch geworden.

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EuroTanic December 4, 2012 at 20:30

400.000 Menschen in der Autobranche? Was für ein vergeudetes menschliches Potential.

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