Chinas neue Export-Offensive rollt – Billig-Löhner

by markusgaertner on 26/12/2012 · 9 comments

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Ein historisches Nest im Norden der Provinz British Columbia macht Schlagzeilen bis nach China. Barkerville heißt der kleine Ort mit nur drei Reihen von Häusern am Fuße der Cariboo Mountains, 750 Kilometer nördlich von Vancouver. In den 1860er Jahren war Barkerville das Zentrum des Goldrauschs, der ganz Nordamerika in Aufregung versetzte.

Heute ist das kleine Kaff ein Freilichtmuseum mit den ursprünglichen Saloons und Bars von damals, als ein Brite namens Barker 1861 ein Claim eröffnete, das über 1000 Kilo Gold bescherte. Die Einwohnerzahl schwoll binnen Wochen von fast Null auf 5000 an.

Der Goldrausch in den Cariboo-Bergen fachte die Fantasie von Goldgräbern bis nach Europa an. Während die Abenteurer von damals nach dem Edelmetall buddelten, versorgten chinesische Geschäftsleute die fiebernden Goldgräber mit Nahrung, Bekleidung und Werkzeugen. Geblieben sind davon bis heute nicht nur die historischen Gebäude, sondern auch hunderte von Fotografien mit Chinesen, die im 19. Jahrhundert die lokale Goldgräber-Wirtschaft in Schwung hielten.

Niemand kann die Personen auf den Bildern identifizieren. Doch dass soll eine Wanderausstellung mit den Fotos nun ändern. Die Aufnahmen werden 2013 in Hong Kong und China gezeigt.

So rührend wie in Barkerville geht man derzeit im Rest der kanadischen Provinz British Columbia aber nicht mit den Chinesen um. Und das, obwohl ethnische Chinesen in einigen Stadtteilen von Vancouver, der größten Stadt in der Provinz, 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen, und der Stadt den Spitznamen Hongcouver eintrugen.

Es wird sogar Stimmung gegen die jüngsten Einwanderer aus der Volksrepublik gemacht. Denn im Bergbausektor – diesmal nicht beim Schürfen nach Gold, sondern nach Kohle – werden neuerdings chinesische Billigarbeiter importiert, die kanadischen Arbeitern Jobs wegnehmen. So argumentieren jedenfalls lokale Gewerkschaften. In wirtschaftlich angespannten Zeiten wie diesen sorgt das für reichlich Sprengstoff.

Was auf den ersten Blick wie ein regionaler Streit um Jobs aussieht, hat globale Hintergründe: China kauft sich wegen seines immensen Rohstoffhungers immer stärker in Europa und Nordamerika in lokale Energieproduzenten oder Bergbaufirmen ein, oder übernimmt sie gleich ganz. So wie zuletzt den Öl- und Gasförderer Nexen für 15 Milliarden Dollar vor ein paar Wochen in Calgary.

In Teilen Kanadas fürchtet man nun, dass die Chinesen wiederholen, was sie in Südostasien und Afrika vor Jahren eingeführt haben: Chinesische Staatskonzerne bringen für ihre Minen und Bauprojekte im großen Stil gleich auch billigste Arbeitskräfte mit. Das erlaubt es ihnen, die Kosten so niedrig zu halten, dass sie bei ihren Übernahmen und Projektbewerbungen unschlagbar günstige Konditionen anbieten können.

Mehr in meinem heutigen Bericht im Manager Magazin Online

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{ 9 comments… read them below or add one }

Joker December 26, 2012 at 19:28

Merry Christmas and a happy new year everyone….

Literaturtipp fuer alle, die “was” tun wollen: kuerzlich auf TED entdeckt…. hat in Burma geholfen, und in Aegypten hat es nach dem Lesen noch ca. 5 Monate gedauert, bis Mubarak “Geschichte” war…..

http://en.wikipedia.org/wiki/From_Dictatorship_to_Democracy
http://www.aeinstein.org/organizations98ce.html (Link zum Buch)

Mit 2 Links, damit es auch bestimmt gesehen wird

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markusgaertner December 27, 2012 at 15:16

DANKE, und alles GUTE, Markus – Viele Grüße an alle. Bin 2 Tage weg.

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Nina December 26, 2012 at 19:30

Hallo Markus,

ich denke, es ist auch immer eine Frage, wie man entsprechende Verträge und Vereinbarungen gestaltet und solche Fragen berücksichtigt.
Hier haben Politiker präventiv eine große Verantwortung.
Wenn das nicht möglich ist, sollte man die Finger davon lassen.
Das trifft auch auf Europa zu!

Gleichzeitig sollte man mit den Menschen im Westen Klartext reden, was es für die Volkswirtschaften im Westen bedeutet, auf den asiatischen Märkten nicht präsent zu sein.
Hier hat man auf Grund der Hochnäsigkeit viel falsch gemacht.

Ob China, Russland oder Indien, die haben alle Ihre Probleme und Konflikte, maßen sich aber nicht an, dem Westen ständig den Stinkefinger zu zeigen.

Pirelli fährt auf Rosneft ab
http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/europa/1326640/Pirelli-faehrt-auf-Rosneft-ab?from=rss#Pirelli-faehrt-auf-Rosneft-ab

Zwischen Russland und Italien bahnen sich gegenwärtig eine Menge wirtschaftlicher Geschäfte an, die auf solider Grundlage umgesetzt werden.
Für Pirelli wird damit ein ganz großer Markt freigeschaltet.

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Andreas Ludwig December 27, 2012 at 10:03

Was in Kanada die Chinesen, sind in Deutschland die Osteuropäer. Sie schlafen in Wohncontainern marschieren morgens zur Arbeit für 10 Stunden und sorgen so bei Lidl und Schwarz Fleischverarbeitung in Möckmühl dafür, das deutsche Arbeitnehmer ihre Vergünstigungen verlieren. Zb. Prämien usw.
So stehen des Abends, bei einer Verpackungsfirma in Heilbronn, im Sixpack rumänische Autos vor der Türe. Die soziale Verantwortung deutscher Unternehmer geht gegen null. Hier zählt nur noch der Profit, oder vielleicht der Kampf ums überleben. Ich schätze mal, das der Kampf der deutschen Wirtschaft ab 2009 darauf hinaus lief, wer die billigeren Leute bekommt überlebt. Wer als Unternehmer auf sozial gesetzt hat und sich als ehrbarer Kaufmann fühlte, der musste leider in die Insolvenz. Besonders dann, wenn die Firma sehr Lohnintensiv ist und die Preise es nicht mehr her geben. Ich weiss wovon ich rede. Wenn jetzt aber die Unternehmer auf die Strecke bleiben, die eher an ihre Belegschaft gedacht haben, anstatt an Profit und die anderen übrig bleiben? Na dann haben wir genau das was heute passiert.
Mit welchen Unternehmern soll jetzt das wieder entstehen was mal da war? I dont know

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Andreas Ludwig December 27, 2012 at 10:18

Und schon haben wir dafür das beste Beispiel:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/thailands-textilindustrie-wandert-wegen-mindestlohn-nach-kambodscha-ab-a-872536.html

Jetzt fragen wir mal ” Raus aus Deutschland” warum seine Mitbewohner sich die Milch nicht leisten können.
Na so wird es echt schwierig. Im Grunde müssen wir mal sagen, ist er so wirklich vom Regen in die Traufe gekommen. Und führt hier das ganze noch als Missstand an. Dann fang mal an zu kämpfen für die Jungs und Mädels. Aber sorry, ich bleibe lieber in Deutschland und schau zu das ich meinem kleinen Kreis die Milch bezahlen kann. Ich wüsste wirklich nicht, warum ich dahin auswandern sollte. Ich ging bei diesen Zuständen ein wie ne Primel. Gruss

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die Simpsons December 27, 2012 at 11:38

In Deutschland sieht es für die Banken- und Versicherungsbranche recht düster aus. Der Finanzsektor wird dagegen die Krise voll zu spüren bekommen schreibt die Frankfurter Rundschau im Wirtschaftsteil. Die Prognosen sind wie immer viel zu positiv und es wir gelogen, dass sich die Balken biegen.

Aber damit ist jetzt Schluss wenn es nach dem Willen von Herman dem Schrecklichen geht. Positives Denken ist angesagt und wehe wenn man sich nicht daran hält, dann hetzt das Wahrheitministerium seine Leute auf die kritischen Geister. Der Friedensnobelpreis für die EU spornt an und muss natürlich praxisnah umgesetzt werden. Fehlt nur noch die Grußformel, welche vielleicht auch noch kommt.

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die Simpsons December 27, 2012 at 11:50

Ein ganz hervorragender Link zu dem Postboten Gerd Postel, der in den 90er Jahren als falscher Leitender Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik viel Aufmerksamkeit erregte. Zwei Audios die man sich nicht entgehen lassen sollte und die die Psychiatrie als das entlarvt was sie ist. Einfach nur köstlich! und gleichzeitig eine Bankrotterklärung an unser Gesundheitswesen, im besonderen die Psychiatrie bzw. psychiatrischen Kliniken. Wenn man es ganu nimmt ist nicht Herr Postel der Hochstapler sondern die Ärztschaft. Denn wie kann man fast 2 Jahre als leitender Oberarzt einer psychiatrischen Klinik mit hervorragenden Beurteilungen “hochstapeln”?

Muss man sich anhören!

http://www.politaia.org/sonstige-nachrichten/psychiatrie-in-der-brd-ein-nicht-psychiater-spricht-klartext/

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Greg December 27, 2012 at 14:58

Das nennt sich einfach DUMPING, wird von korrumpierten Politikern und Managern seit Jahren betrieben. Keiner “regt” sich auf ….

Wenn Dummheit schmerzte, müssten ganze Völker schreien!

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Andreas Ludwig December 27, 2012 at 23:13

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