“Die tun nur so, als ob sie kämpfen” – Europas und Amerikas Ringen um einen Weg aus dem Schuldensumpf

by markusgaertner on 30/12/2012 · 4 comments

2012-01-31_0943

Share

Um ehrlich zu sein, hat es mir an der nötigen Zeit gefehlt, um an Weihnachten in Ruhe über mögliche Trends und Highlights 2013 nachzudenken. Aber wirklich schwierig ist die Vorhersage diesmal nicht. Kurz gesagt: Die ungelösten Probleme werden uns 2013 verfolgen.

Europa wird nicht genügend Wachstum erzeugen, um seine Selbsttäuschung – wonach das Schlimmste überstanden ist – in eine Realität zu verwandeln.Neue “Ansätze” in der Politik gehen ebenso ins Leere wie die alten Handlungsmuster.

Hollands Reichensteuer von 75%, die jetzt vom höchsten Gericht gekippt wurde, ist ein Beispiel – das politische Beben in Italien ein anderes – wie schwer sich neue Ansätze in der scheinbar ewig währenden Krise tun. Griechenland liefert derweil (wieder einmal) das Paradebeispiel für den Mangel an den nötigen Reformen: Statt die Liste der Steuerzahler zu erweitern – und mehr Gerechtigkeit bei der Finanzierung öffentlicher Leistungen herzustellen – verschwinden viele Namen von einer großen Steuersünder-Datei.

Die USA haben weit und breit nicht die Politiker, die das Land bräuchte, um vom Kliff wieder weg zu kommen. Andernfalls gäbe es längst einen Kompromiss im Ringen um ein Sparpaket. Die Republikaner lassen das Land über das Budget-Kliff fallen, um später mit einem Kompromiss – wenn ihn die Radikalen in der Partei zulassen – dann eine mäßige Steuererhöhung auf die hohen Einkommen als Senkung gegenüber den am 1. Januar automatisch einsetzenden Erhöhungen zu verkaufen.

Das ist Roulette mit Amerika, um das Schaufenster besser auszustatten. Daher erwartet der bekannte Finanz-Investor Wilbur Ross für 2013 auch eine Rezession in den USA. Für ihn ist es keine Frage, ob die USA über das Kliff fallen oder nicht. Für Ross geht es lediglich darum, wie steil das Kliff sein wird. Ross warnt ominös vor einer “griechischen Situation” in den USA. Und Jim Rogers fordert “Einsparungen mit der Kettensäge.”

Die Huffington Post verrät derweil “Fünf Total Verrückte Dinge”, die man noch unbedingt tun muss, bevor die Finanz-Apokalypse zuschlägt, darunter alle Investments zu verkaufen, gefrorene Pizza zu horten und einen Teil des Gehalts gegen mehr Urlaub zu tauschen, um die höheren Steuern vom Fiskal-Kliff, die am 1. Januar in Kraft treten werden, zu umgehen.

Ron Paul setzt im jüngsten CNBC-Interview vom 28. Dezember noch eins drauf: Republikaner und Demokraten, sagt er, tun nur so, als würden sie um einen Kompromiss ringen, in Wahrheit ginge es beiden Seiten jedoch darum, das bestehende System aufrecht zu erhalten, damit alle Beteiligten so viel Geld ausgeben und ihre politischen Verbündeten weiterhin mit Wohltaten übergießen können (siehe Video) wie sie wollen.

In Japan hat die (neue alte) Regierung einfach die Notenbank ausgehebelt. Dort wird jetzt Monster-QE veranstaltet. Dagegen ist Ben Bernanke ein zaghafter Zeitgenosse. Und in China ist beim Übergang zur fünften Führungs-Generation zwar der Machtwechsel in der KP vollzogen, nicht aber im Staatsapparat. Dieser zweite Schritt in der Wachablösung lässt bis zum Volkskongress 2013 im März auf sich warten. Bis dahin wird die neue Führung vorsichtig agieren.

Das Wall Street Journal skizziert im Blog MarketBeat die politische Ausgangslage für 2013 in einer Betrachtung über “Zentralbanken, Währungskriege und Politiker” so:

In Japan, they’ve elected the seventh prime minister in six years. In Europe, they’ve raised kicking the can to an art form. In the U.S., the fiscal cliff debate shows how deadlocked, and ineffective, the government has become. In the wake of this, central bankers are stepping into the breach.

Share

{ 4 comments… read them below or add one }

die Simpsons December 30, 2012 at 07:44

Die ungelösten Probleme werden uns 2013 verfolgen. Dieser Satz eignet sich gut als Silvesterknaller. Darf ich noch mal daran erinnern freie Märkte existieren nicht mehr; Wirtschaftsdaten kommen aus dem Wahrheitsministerium und wir dienen einer Plutokratie. Die Probleme sind doch für die Elite gelöst, zumindest aus deren Sicht. Und wer ab 2013 nicht positiv denkt, wird politisch verfolgt als Terrorist gebrandmarkt und von der Gedankenpolizei verhaftet. Okay, das war jetzt etwas übertrieben, aber versucht man sich in die Denke der Eliten zu versetzten, könnte es vielleicht eines Tages doch so kommen. Die nutzlosen Menschen werden aussortiert und in Hartz 4 überführt und in USA sind wir ein Schritt weiter, da werden Menschen an den Suppenküchen abgewiesen weil kein Geld mehr für die Küchen vorhanden sind.
Soylent Green nenne ich das; konnte man sich die Tage wieder im Fernsehen anschauen.

Karl Weis hat gestern darauf aufmerksam gemacht dass die Zahlungen, die eigentlich für Griechenland bestimmt waren den Superreichen, ein Hedge-Fonds der nur Superreichen zur Verfügung steht, zu Gute gekommen ist. Handelt sich um die Peanuts-Summe von nur 500 Millione Euro. Third Point, so heisst der Hedge-Fonds, ist nur ein Beispiel von vielen. Und in Griechenland wird Holz und Holzkohle verheizt, weil die Menschen sich kein Heizöl leisten können bei Preissteigerungen von 50%. Dafür hat sich die Luftverschmutzung verdreifacht. Für solche Probleme haben die Anleger des Hedge-Fonds Third Point und auch die vielen anderen unbekannten Fonds, die ebenfalls von dem Geldsegen profitieren, kein Gehör, geschweige denn ein Herz.
Man sollte der Frage nach gehen wer investiert in solche Fonds und welche Aasgeier verwalten solche Fonds.

Und die FAZ hat einen sehr guten Artikel und Ritalin geschrieben “Ritalin ist eine Pille gegen eine erfundene Krankheit, gegen die Krankheit, ein schwieriger Junge zu sein. Bemerkenswert ist die Information dass der Erfinder der Krankheit, Leon Eisenberg höchstselbst, kurz vor seinem Tode gestand, ADHS sei ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung.

Es ist Genuss die Laudatio der Juristin Dr. jur. Gabriele Feyerer über Gerd Postel zu lesen “Der Postler im Schafspelz
Vom grenzenlosen Schein akademischen Seins (http://www.gert-postel.de/feyerer.htm)
Sein Buch Doktorspiele sollte Pflichtlektüre für Psychologen, Psychiater und Soziologen werden, dann würde man Medikamente wie Ritalin vom Markt nehmen.

Reply

Marco December 30, 2012 at 15:46

“Soylent Green nenne ich das; konnte man sich die Tage wieder im Fernsehen anschauen.”

Guter Ansatz. Ich habe den Film neulich auch gesehen. Eine Szene ist mir besonders in Erinnerung geblieben.
Da hat der Polizist zu seinem “Polizeibuch” genannten älteren Kollegen in etwa folgenden Satz gesagt:

“Was jammerst Du denn so rum? Es geht uns doch noch VERGLEICHSWEISE gut.”

Worauf der ältere Mann antwortete: “Nein, es geht uns eben NICHT GUT.”

Zur Erklärung: Die beiden saßen in einer ärmlichen Wohnung und aßen künstliche Fertignahrung (Soylent Green und andere).
Der Polizist hat sich nur mit seiner näheren Umwelt verglichen. Hier lebten viele Menschen auf der Straße oder in den Treppenhäusern. Die Menschen hat noch weniger zu Essen. Also sagte er sich, warum soll ich aufbegehren? Mir geht es doch VERGLEICHSWEISE gut.
Der alte Mann hat aber die Situation mit früher verglichen, als alle Menschen noch Wohnungen hatten und relativ frische Nahrung essen konnten.
DAS genau ist der Unterschied. (Es kommt immer darauf an, womit man die aktuelle Situation vergleicht.)
Und in genau in diesem Prozess der schrittweisen Absenkung der Lebensverhältnisse für große Teile der Bevölkerung befinden wir uns:
Die Reallöhne steigen weniger als die sowieso schon manipulierten Inflationszahlen? – Mir geht es doch noch relativ gut. Ich habe einen unbefristeten Job.
Menschen, die einen Leiharbeitsvertrag haben, vergleichen sich mit den Hartz-4-Beziehern. – Mir geht es doch noch relativ gut. Ich habe wenigstens noch einen Job.
Hartz-4-Bezieher in Deutschland vergleichen sich mit Arbeitslosen in Spanien oder Griechenland. – Mir geht es doch relativ gut.

Usw. usw. Das ganze führt dann zu einer mehr oder weniger schleichenden Verelendung der Massen.
Und nur ganz wenige setzen sich mal hin und sagen: STOPP! Warum geht es mir so, wie es mir jetzt geht. Was sind die tatsächlichen Hintergründe, die zur aktuellen Situation geführt haben. Und dann vor allen: Was kann ich tun, um eine Veränderung zu bewirken.

Hier wurde schon viel zu den Auswirkungen der Massenmedien geschrieben. Darum spare ich mir das jetzt hier. Ich persönlich hatte jedoch gehofft, dass das Internet dazu beitragen würde, mehr Menschen mit anderen Fakten und Meinungen jenseits des Mainstreams in Verbindung bringen zu können. Hier wurde ich jedoch leider enttäuscht. Ich sehe aktuell nicht, dass dieser Bereich aus seiner Nische heraus kommt. Stattdessen werden Netzwerke wie Twitter und Facebook (mit Ausnahme der Umstürze in Nordafrika, die jedoch anscheinend auch von langer Hand von anderen Interessensgruppen geplant wurden) hautpsächlich dafür genutzt, um Bilder der letzten Party einzustellen usw. Sind die Bevölkerungen auf diesem Planeten wirklich so eine willenlose Masse, mit der die Plutokraten anstellen können, was sie wollen?

Wie sang Klaus Lage schon 1985: “Wir sind nur die Randfiguren in einem schlechten Spiel”. An dem Spiel hat sich nichts geändert.

http://www.youtube.com/watch?v=-6gDDb5WonM

Reply

donWeb December 30, 2012 at 19:40

Man muss über diese Krise doch nur eines wissen: sie ist allein durch eine globale Währungsreform und grosse Veränderungen in den Verteilungsmustern lösbar.
Wenn man das als unumgänglich akzeptiert, dann gibt es nur einen einzigen Wert, der durch Anonymität und Mobilität den Händen der gierigen Staaten entgehen wird und den Transport eines Vermögens durch unsichere Zeiten ermöglicht.
http://www.larsschall.com/2012/12/29/die-lichte-zukunft-des-goldes-die-finale-losung-der-monetaeren-krise-von-2008/

P.S.: Ich meine nicht Waschpulver.

Reply

donWeb December 30, 2012 at 19:44

Auch zu sehen an den Verkaufszahlen der Mints und den unerfüllbaren Auslieferungsanträgen für physisches Silber:
http://www.silverdoctors.com/harvey-organ-cftc-cant-release-findings-of-silver-probe-end-game-is-being-played-out-lbma-comex-near-default/

Reply

Leave a Comment

*

Previous post:

Next post: