Krieg der Notenbanken ? – 2013 droht eine globale Währungsschlacht

by markusgaertner on 30/12/2012 · 14 comments

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Japans neuer Premier Shinzo Abe nimmt die Bank of Japan an die Kandarre und will den YEN so weit und so lange in die Tiefe treiben, bis die Konjunktur anspringt. Was Brasiliens Finanzminister Guido Mantega mit Blick auf die Geldvermehrung der US-Notenbank vor zwei Jahren schlagzeilenträchtig als Währungskrieg bezeichnete, geht damit in die zweite Runde.

Unsere GRAFIK zeigt deutlich, wie der YEN – im Vergleich zu Euro und Pfund – in Relation zum Dollar – scharf nach Süden dreht. Diese zweite Runde im Währungskrieg könnte hässlich werden. Vor allem für die europäischen Exporteure, deren gemeinsame Währung inzwischen bei über 1,32 zum Greenback notiert.

Asiens Zentralbanken werden derweil noch nicht sonderlich nervös. Sie greifen trotz deutlicher Wechselkurs-Gewinne ihrer Währungen gegenüber dem YEN ganz überwiegend noch nicht ins Geschehen ein.

Der Won in Südkorea ist 2012 zum YEN um 20% angestiegen. Der Taiwan-Dollar kletterte 17%, der chinesische Yuan schoss zum YEN 13% in die Höhe. Die coole Reaktion ist ein klarer Beweis dafür, wie wichtig China in der Region geworden ist, und dass Japan Gewicht deutlich abnimmt.

Die Lieferketten quer durch durch Asien haben sich längst auf China ausgerichtet. Und die Konjunktur in der Volksrepublik scheint sich derzeit zu festigen, während Japans Wirtschaft weiteren Rückschlägen entgegen sieht.

Chinas Aufstieg setzt der Rolle Japans immer stärker Grenzen. Chinas Industrie-Fertigung hat im November erstmals seit 13 Monaten wieder zugelegt. Auch anderswo in Asien zeigen sich Erholungstendenzen, im Gleichschritt mit China.

Nur ein Vergleich: China nimmt derzeit 25% der Exporte von Südkorea auf, es kauft 27% der Ausfuhren Taiwans. Doch in Japan werden weniger als 10% der Exporte von Südkorea und Taiwan abgesetzt.

Doch diese relative-Stärke-Betrachtung ist nur ein Aspekt in dem sich aufschäumenden Währungskrieg. Die eigentlich wichtigen Entwicklungen sind die Tatsache, dass die Notenbanken nun stärker an die Kandarre der (fiskalisch ausgereizten) Politik genommen werden, um die ultra-lockere Geldpolitik noch auszuweiten – damit geht Japan voran – und die Beschleunigung des allgemeinen Abwertungs-Wettlaufs.

Im Performance-Vergleich der vergangenen 6 Monate aus der Sicht des Dollars sieht das so aus: Der Euro wurde um 6,2% aufgewertet, das Pfund 4%, der Kanada-Dollar 3,6%. Nur der Yen gab gegenüber dem Greenback nach, um 7,5%.

Sollte sich die Konjunktur in der Eurozone 2013 nicht stabilisieren, dürfte der vergleichsweise starke Euro ein größeres Problem werden.

Währenddessen warten wir noch auf der ganzen Welt auf die Erholung, die ultra-lockere Geldpolitik in Aussicht gestellt hat. In den USA und Europa ist davon wenig zu spüren. Nicht am Arbeitsmarkt, nicht bei den Löhnen, schon gar nicht in Amerikas Suppenküchen.

Die Volkswirtschaften stecken in einer Liquiditätsfalle, die die Geldschwemme der Notenbanken weitgehend neutralisieren: Private Haushalte reparieren ihre Bilanzen und sparen, Firmen sitzen auf rekordhohen Cashbeständen, Banken horten überschüssige Liquidität bei den Zentralbanken.

Trotz der Verdreifachung der Fed-Bilanz auf 3.000 Milliarden Dollar, so argumentiert Stephen Roach, haben die US-Konsumenten ihre Ausgaben in den 19 Quartalen seit Anfang 2008 inflationsbereinigt lediglich um 0,7% ausgebaut. In den 11 Jahren bis 2006 waren das 3,6% gewesen.

Und der Schuldenabbau in den privaten haushalten kommt langsam voran. Die Schulden erreichten gemessen am verfügbaren Einkommen im dritten Quartal immer noch 112%.  Das sind immer noch 40 Prozentpunkte mehr als im Schnitt der letzten 30 Jahre des 20. Jahrhunderts. Und die Sparquote liegt mit 3,5% (in den 4 Monaten bis November) bei weniger als der Hälfte jener 7,9%, die im Schnitt von 1970 bis 1999 registriert wurden.

Und die EZB ? Die Bilanz wurde auf etwas mehr als 3.000 Milliarden Euro verdoppelt, aber Europa rutschte zum zweiten Mal in 4 Jahren in eine Rezession ab. Strukturelle Reformen ? Fehlanzeige. Die Schuldenlast im Süden Europas: Immer noch zu hoch. Produktivitätszuwächse und Wettbewerbsfähigkeit ? Lassen zu wünschen übrig.

Einziger Lichtblick in der Peripherie: Nach Lohnkürzungen von bis zu 40% (das ist nicht der Lichtblick) mehren sich Investitionspläne und -zusagen für Spanien in der Autobranche.

Die Warnung von Stephen Roach ist deutlich: Massive Injektionen von Liquidität haben in Europa, den USA und Japan bislang weder die Konjunktur sppürbar ins Rollen gebracht, noch haben sie die Schuldenlast privater Haushalte spürbar verringert (was für den Konsum wichtig wäre) und strukturelle Reformen in die Wege geleitet.

Im Gegenteil: Die Notenbanker haben den nötigen Reformdruck gelindert, die Finanzmärkte beruhigt und die Politiker nachlässiger gemacht, aber nicht dabei geholfen, die nötigen Schritte einzuleiten: Vor allem eine Abkehr vom Leben auf Pump.

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